Kurt Heinz Sieger - Maler und Graphiker   (17.4.1917-25.3.2002)

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Selbst im gelben Mantel

 

Kurt-Heinz Richard Sieger wurde am 17.4.1917 in Görlitz als uneheliches Kind der minderjährigen Elsa Sieger und des Görlitzer Tuchfabrikanten Richard Grallert geboren.Grallert, der über dreißig Jahre älter war als Elsa Sieger, hatte auf die Bitte ihres verstorbenen Vaters hin die Vormundschaft über sie und ihre Schwester übernommen.Er selbst war verheiratet und hatte fünf Kinder, verließ jedoch seine Familie später, um mit Elsa Sieger zusammenzuleben.      

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Schon als Säugling wurde Kurt Heinz Sieger in Pflege gegeben als uneheliches Kind einer Minderjährigen.Von diesem Zeitpunkt an lebte er in verschiedenen Pflegefamilien und Waisenhäusern. In einem seiner Tagebücher erinnert er sich später an dreizehn bis siebzehn verschiedene Pflegestellen. Als Kleinkind lebte er sogar bei zwei Prostituierten, die er jedoch Zeit seines Lebens, im Gegensatz zu den restlichen Pflegestellen, in guter Erinnerung behielt. Oft war es so, dass die Pflegeeltern in ihm lediglich das Pflegegeld sahen, das einen willkommenen Nebenverdienst darstellte. In den meisten Familien wurde der junge Sieger misshandelt und musste neben der Verrichtung schwerer häuslicher Arbeiten betteln gehen. In der Volksschule, die er acht Jahre lang von 1924-1932 besuchte, wurde er als uneheliches und elternloses Kind geächtet. Spott und Verachtung, die ihm durch seine Mitschüler entgegengebracht wurden, wurden nicht unerheblich durch die Lehrer gefördert.

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 (Bettelnder Junge)

Anlässlich einer Ausstellung von Schülerarbeiten des Landes Schlesien im Rahmen des Reichswettbewerbes für begabte Jugendliche im Jahr 1931, erfuhr seine künst­lerische Begabung erstmals eine Würdigung. Auf einer Wanderung durch das Riesengebirge hatte der Vierzehnjährige unter Anleitung des Görlitzer Malers Arno Hentschel über zwanzig Landschaftszeichnungen angefertigt, die als bestes Ergebnis aus diesem Wettbewerb hervorgingen. Da Sieger jedoch nicht bereit war, sich der Hitlerjugend anzuschließen, wurde ihm keine weitere Förderung zuteil.

 

Aufgrund dieser widrigen Lebensumstände ist keine
von den frühen Arbeiten des Künstlers erhalten!

Auf Anraten des Jugendamtes trat Sieger schließlich im Jahr 1932 eine Ausbildung bei dem renommierten Görlitzer Dekorationsmaler Herrmann Keiling an. Neben der Schriftgestaltung von Schaufenstern wurde er recht bald mit anspruchsvolleren Aufgaben betraut, wie der Gestaltung von Stuckdecken und Restaurierungsarbeiten in einigen Görlitzer Kirchen. Die Gesellenprüfung legte er mit "Gut" ab.

Im Reichsberufswettkampf des Jahres 1934 wurde er mit der Belegung des dritten Platzes Gausieger von Schlesien. Da Sieger jedoch weiterhin nicht bereit war, sich aktiv in der Hitlerjugend zu engagieren, hatte auch diese Auszeichnung keinen förderlichen Einfluss für sein berufliches Weiterkommen.                                                                      

 

 

 

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Sieger wurde 1937  für ein halbes Jahr zum Arbeitsdienst und 1938 zum Wehrdienst eingezogen. Als Soldat diente er zunächst an der Westfront in Frankreich, dann in Russland. In Bayern kam er im Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er nach sechs Wochen entlassen wurde. Er kehrte nach Königshain zurück, wo seine erste Frau, Margarethe Sieger, geborene Zentner, die er 1940 durch eine Ferntrauung geheiratet hatte, lebte. Aus dieser ersten Ehe gingen drei Kinder hervor.

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In Rathmannsdorf bei Bad Schandau fand Sieger 1946 eine Stelle als Dekorationsmaler. In seiner Freizeit beschäftigte er sich autodidaktisch mit der Tafelmalerei. 1947 begann er angeregt durch eine Begegnung mit dem freischaffenden Maler Otto Herbert Kunze ein Kunststudium an der Fachschule für angewandte Kunst in Leipzig. Um für seine Familie sorgen zu können, war er aber schon 1948 gezwungen, dieses Studium wieder aufzugeben und sich als freischaffender Werbegestalter zu betätigen.    

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An einer Laienausstellung in Pirna.1950 beteiligte sich Sieger. Der Ministerpräsident des Landes Sachsen, Herbert Seidewitz, wurde durch diese Ausstellung auf ihn aufmerksam, und er wurde für das Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden vorgeschlagen. Noch im gleichen Jahr wurde er zum Studium an die Dresdner Kunsthochschule delegiert, welches er 1950 im Alter von dreiunddreißig Jahren antrat. Seine Lehrer waren die Professoren Erich Fraaß, Paul Michaelis, Rudolf Bergander, Hans Grundig und Wilhelm Lachnit.       

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Während seiner fünfjährigen Studienzeit spezialisierte Sieger sich auf Tafel- und Wandmalerei und schloss sein Studium mit der Diplomarbeit „Die Familie des Hausmeisters" ab. .            

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Von 1956 bis 1960, in  einer Zeit, in der er weder Aufträge für Tafelbilder erhielt noch solche verkaufen konnte, arbeitete Kurt Heinz Sieger als Fassadengestalter im Aufbaustab von Hoyerswerda. Als Mitglied im Baustab war Sieger verantwortlich für die dekorative Gestaltung von Wohnhäusern und führte an den Neubauwohn­häusern der Stadt Hoyerswerda etwa sechzig baugebundene Arbeiten in Sgraffito, Glas, Mosaik und Silikat aus. Während seiner Tätigkeit in Hoyerswerda kam es jedoch wiederholt zu Differenzen mit den Auftraggebern. Durch deren Vorgaben in seiner schöpferischen Freiheit gehemmt, sah sich Sieger im Jahr 1960 gezwungen, die Mitgliedschaft im Aufbaustab aufzulösen. Ab 1959 leitete er einen Laienzirkel für Malerei in Weißwasser.

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In der sozialistischen Neustadt

(Konflikt zwischen Alt und Neu)

Im Jahr 1960 zog Sieger nach Cottbus um, wo er sich als freischaffender Maler ein Atelier einrichtete. Hier lebte er auch für kurze Zeit mit seiner zweiten Frau Erika Sieger, geborene Schädlich, zusammen, die am Cottbuser Theater tätig war, bevor er seine dritte Frau Monika Sieger, geborene Lau, heiratete und zwei Kinder mit ihr bekam. In Cottbus war Kurt Heinz Sieger von 1964-65 an der Hochschule für Bauwesen als Lehrbeauftragter für das Fach Kunsterziehung und Gestaltungs­lehre tätig. Außerdem war er Mitglied des Zentralvorstandes des Verbandes Bildender Künstler und als solcher für die Laienarbeit im Bezirk Cottbus verant­wortlich, wie es in seiner Stasiakte heißt. Diese Laienarbeit bedeutete, dass er Malzirkel für interessierte Werktätige leitete. Aus Briefen von Mitgliedern dieser Zirkel lässt sich entnehmen, dass er von diesen als Lehrer sehr geschätzt wurde. In seiner Cottbuser Zeit arbeitete Sieger hauptsächlich an Auftragswerken. 1963 und 1968 wurde Sieger mit dem Carl-Blechen-Preis der Stadt Cottbus ausgezeichnet.                         

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Bildnis Maja

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Spree im Winter

Im Jahr 1972 wechselte er schließlich nach Frankfurt (Oder) über, wo er als freischaffender Künstler große Anerkennung fand. Viele seiner Bilder wurden in dieser Zeit vom Museum „Viadrina" und von der Galerie „Junge Kunst", aber auch durch den Stadtrat angekauft. Im Jahr 1976 heiratete er seine vierte und letzte Frau, Brigitte Sieger, geborene Lau. Im darauf folgenden Jahr wurde Sieger mit dem Kleistpreis, einem Kunstpreis der Stadt , der Ehrenmedaille der Stadt Frankfurt (Oder) und der Johannes R. Becher Medaille in Silber ausge­zeichnet. Noch im gleichen Jahr erhielt er die Genehmigung, eine Parisreise anzutreten, die für ihn zu einem einschneidenden Erlebnis werden sollte und auf der er die großen Künstler der Moderne, die ihn schon vorher inspiriert hatten, zum ersten Mal im Original kennen lernen sollte. Außerdem war es ihm in seiner Frankfurter Schaffenszeit möglich, in die Sowjetunion und nach Polen zu reisen.                     

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Bildnis Brigitte

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In den Tuilerien

In seiner Frankfurter Zeit gelang es ihm, sich teilweise von den thematischen Vorgaben der staatlich verfügten Auftragsmalerei zu lösen, und so gewann er größere künstlerische Freiheit als zuvor in Cottbus oder Hoyerswerda. Die Höhepunkte seines künstlerischen Erfolges waren Einzelausstellungen in Frankfurt (Oder), Dresden, Cottbus, Fürstenwalde, Zinnowitz und Wolgast, Ausstellungen in Polen und Bulgarien, sowie die Beteiligung an einigen Kunstausstellungen der DDR, die seit 1945 in Dresden stattfanden.

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Großes Vietnambild

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Triptychon Krieg und Frieden

 

Im Jahr 1980 siedelte Kurt-Heinz Sieger nach Usedom über, wo er sich in Zempin ein Haus mit angrenzendem Atelier errichtete und sich mit seiner Frau vom öffentlichen Leben völlig zurückzog. Kontakte zu der auf Usedom ansässigen Künstlergeneration unterblieben fast völlig. Frau Franka Keil, die Leiterin des Museums Lüttenort auf Usedom, beschreibt Sieger als einen sehr zurückgezogen lebenden Menschen, der auch in Hinblick auf sein künstlerisches Werk eher ein Einzelgänger war. In seiner selbstgewählten Isolation wandte er sich noch einmal seinem liebsten Sujet zu, dem Akt. Eine umfangreiche Gruppe von kleinformatigen Tafelbildern in Mischtechnik entstand, in denen er seine Beobachtung und Studien der Menschen am FKK-Strand umsetzte. Zum ersten Mal fühlte er sich frei von Zwängen und die Serie ging ihm gut von der Hand, wie sonst eigentlich nur das Zeichnen.
Sieger fühlte sich künstlerisch frei.

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Familie am Strand

 

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Ginster

 

 

 

Aber Mitte der achtziger Jahre erkrankte Kurt Heinz Sieger an Polyneuropathie, einer Erkrankung, die das langsame Absterben der Nerven in Händen und Füßen bewirkte. Diese Erkrankung sollte im Laufe der Zeit Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen haben. Mit fortschreitender Krankheit wurde ihm das Arbeiten an der Staffelei un­möglich und er musste sich von der Ölmalerei abwenden. Es entstanden kleinformatigere Pastelle, hauptsächlich Landschaftsbilder. In seinen Tagebucheinträgen schreibt Sieger, dass er Probleme habe, sich mit diesem Medium zurechtzufinden. Als er die Kreide noch gut festhalten konnte, entstanden auch hier beachtenswerte Arbeiten von großer Leichtigkeit.

Seine letzte große Arbeit ist das Ölbild zu seiner Vita. Ein Bild, das verständlich wird, wenn man die Biografie studiert hat.

 

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